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Abgetaucht, Ausstellung im SCHÖNES WOHNEN Ute Schumacher




Gelassenheit

Trance

Abschied

Selbstbildnis eines Anderen
Das Messer, mit dem er getaucht ist, liegt neben
ihm auf dem heißen Felsen, ein Ding.
Durch seine Taucherbrille hat er einen Schwarm
grüner Fische gesehen, sie bewegten sich, als
wären sie ein Körper. Im fließenden Dämmerlicht
hat er versucht, die Dornenkrone eines Seeigels
zu lösen. Er ist der Seele einer Qualle
auf ihrem schwebenden Irrweg gefolgt. Jetzt,
nackt auf dem Felsen, sitzt er im Licht wie
ein lebendes Segment der Sonne, ein Feuer-
körper und immer noch hat er Fragen.
Wie kommt es dass die untere Seite der Wasser-
fläche, die doch nicht anders ist als
die obere, soviel geheimnisvoller ist als die sich
bewegende Fläche, die er jetzt sieht. Leuchtend
war diese Unterseite gewesen, durchsichtig
wie die gläserne lebende Qualle,
fächelndes und tanzendes Kristall, welches das
Reich der Luft trennte. Wie leicht, dachte er,
könnte er jetzt verschwinden, jemand
der seine Kleider auf dem Felsen gelassen hat
und in den Spiegel gegangen ist um dort
zu bleiben. Den hauchdünnen, lebenden Spiegel,
der die Stille versiegelt. Des Wortes entledigt,
das er sein sollte, seine fernste Bestimmung so
unendlich nah zwischen den ewig
schweigenden Fischen, von seinem Namen erlöst.
Cees Nooteboom